1w6 - Ein Würfel System - Einfach saubere, freie Rollenspiel-Regeln

Texte, die bewegen

Bild von Drak

5 Punkte, um einen Text zu optimieren, damit er möglichst viele Menschen bewegt. Sortiert nach Wichtigkeit.1

  • A: Angenehm: Der Text ist sprachlich schön und eingängig. Er ist für die Art des Textes angemessen.
    „Lese ich das gerne?“

  • E: Eingeführt: Alle genutzten Konzepte sind entweder bekannt oder werden im Text eingeführt.
    „Wissen wir alles, was wir brauchen?“

  • I: Interessant: Der Text fesselt die Lesenden, z.B. durch Spannung, interessante Charaktere, viele ungewöhnliche Ideen oder Denkweisen, usw.
    „Will ich wissen, wie es weiter geht?“

  • O: Obligatorisch: Der Abschnitt und alle informationen darin sind notwendig für das Gesamtwerk. Ohne sie sind spätere Abschnitte nicht verständlich, oder der Text vermittelt nicht, was er soll. Essenziell hiefür ist es zu wissen, was der Text vermitteln will.
    „Braucht der Text das?“

  • U: Untergrund: Unter der Oberfläche und zwischen den Zeilen gibt es weitere Konzepte, die nur bei mehrmaligem oder sehr aufmerksamem Lesen sichtbar werden und den Text unterstützen. Die Konzepte sollten zur Zielgruppe passen und möglichst innovativ sein. Dieser Untergrund darf nicht obligatorisch sein und muss nicht vor dem Abschnitt eingeführt werden. Der Untergrund klingt mit, ohne die anderen Punkte zu beeinträchtigen. Er ist die wirkliche Essenz des Textes.
    „Entdecke ich bei jedem Lesen Neues?“ bzw.
    „Berührt der Text mich immer wieder?“

Natürlich ist das ein Idealbild eines Textes. Es mag nicht in jedem Text perfekt umsetzbar sein. Es ist ein Ideal, nach dem Texte streben können, wenn sie viele Leute bewegen sollen.

Hintergrund

Warum diese Punkte wichtig sind:

  • A: Ein unangenehmer Text wird nur von wenigen gelesen werden. Erstes Ziel: Menschen erreichen. Nur wenn sie ihn lesen, kann er sie berühren.

  • E: Nicht eingeführte Inhalte reißen die Lesenden aus dem Textfluss. Dadurch verlieren sie den Kontakt zum Text.

  • I: Ein uninteressanter Text lässt die Lesenden an der Oberfläche. Dadurch kann der Text nicht Teil von ihnen werden.

  • O: Unnötige Informationen verwirren die Botschaft des Textes. Sie hindern die Lesenden daran, die Essenz des Textes zu spüren.

  • U: Ein Text ohne versteckte Inhalte wird nicht erneut gelesen. Er berührt die Lesenden nur einmal. Ein Beispiel für Geschichten mit starkem Untergrund sind die Simpsons. Ein Beispiel, wie ein Medium es geschafft hat, ohne diesen Untergrund immer wieder gesehen zu werden, ist „Dinner for One“ (oder hat das den Untergrund doch?). TODO: Prüfen, welche anderen Wege es gibt, um dafür zu sorgen, dass Texte immer wieder gelesen werden. Ein wichtiger Punkt ist, dass sie handwerklich wirklich gut sind. Beispiel: Krieg der Welten (das Buch). Oder der Anhalter (Bücher oder Hörspiele).

PS: Da bei späteren Punkten alle vorherigen möglicherweise erneut geprüft werden müssen, kann dieses Konzept bis zu 15 Korrekturdurchgänge erfordern. Langfristig sollte die Korrektur intuitiv alle Punkte gleichzeitig prüfen. Das Konzept AEIOU macht es einfacher, die Korrektur zu lernen und zu verinnerlichen.

PPS: Ich bin kein professioneller Lektor und das hier ist nur mein bisheriges Verständnis. Möglicherweise wird es sich ändern. Vermutlich wird das Konzept allerdings ein wichtiger Schritt auf meinem Weg sein, weil ich schon jetzt merke, dass durch die Formulierung des Konzeptes meine Herangehensweise an Textkorrektur strukturierter wird. Ich habe das Konzept Mitte 2011 zum ersten Mal aufgeschrieben, und ich hoffe, es hilft dir auch!


  1. Ein späterer Punkt darf keine vorherigen Punkte beeinträchtigen. Allerdings kann die Korrektur späterer Punkte eine erneute Prüfung aller vorherigen notwendig machen. 

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Cool, den Text kenn ich

Cool, den Text kenn ich garnicht. Das Konzept ist gut und sollten wir uns unbedingt merken, gerade wenn wir Dialoge und andere Texte schreiben.

Bild von Drak

Freut mich, dass dir der

Freut mich, dass dir der Text gefällt!

Mir hilft vor allem, dass ich durch die einfache AEIOU-Struktur schnell prüfen kann, ob ich alles bedacht habe :)

Ein kurzer Blick „Ist das Angenehm, Eingeführt, Interessant, Obligatorisch und hat Untergrund?“ (also AEIOU) reicht, um sicherzustellen, dass ich nichts grundlegendes übersehen habe.

Es hindert mich auch daran, mich zu sehr an einem der Aspekte aufzuhängen und dabei zu vergessen, dass alles passen muss - vor allem die ersten (die ich früher manchmal über irgendeinen coolen Teilaspekt übersehen habe).

„Oh, die Sprechweise ist echt cool und super-innovativ. Das kann ich doch nicht ändern.“ — und entsprechend war das dann zwar Interessant, aber kaum jemand schaffte es, mehr zu lesen als die ersten 3 Sätze.

Die wirklich langlebigen Bücher (die ich kenne) haben mindestens die ersten beiden Punkte richtig gut hingekriegt.

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